Kunst im DGB Haus München Dokumentation des Kulturforums
     

 

 

 

 

 

Karl Trumpfs Porträtstele von Hans Böckler im Empfangsbereich des Gewerkschaftshauses Schwanthalerstraße


 

Karl Trumpf (1891-1959): Porträtstele Hans Böckler
(Bronze, Entstehungszeit: 1950er-Jahre)
 
Der Berliner Bildhauer Karl Trumpf schuf seit den 1920er- Jahren figürliche Plastiken für den öffentlichen Raum. Nach 1945 gestaltete er vor allem Bronzeporträts von Politikern aus der Weimarer Republik und von Persönlichkeiten aus der Gewerkschaftsgeschichte.
 
Dazu gehörten Carl Legien (1861 bis 1920; ADGB- Vorsitzender und Initiator des Generalstreiks gegen den rechten Kapp-Putsch) und Hans Böckler (1875 bis 1951; nach 1949 in der Bundesrepublik Deutschland der erste Vorsitzende des DGB). Vom Böckler-Porträt gibt es mehrere Abgüsse, sie finden sich vor allem in verschiedenen Einrichtungen des DGB. Am prominentesten öffentlich platziert ist eine der Stelen im – nach dem Gewerkschafter benannten – Böcklerpark in Berlin-Kreuzberg.

 

Das Fresko auf der Außenseite des Ludwig Koch Saals.
Thema: Freizeit!

Heute ist es verdeckt durch das Kupferdach!











Ernst Oberles Bild "Großstadtgetriebe", das im Besitz der Münchner Stadtverwaltung ist.





 

Ernst Oberle, (1919-1996): Fresko
(heute ist das Fresko unter dem Kupferdach des Ludwig Koch-Saals versteckt)

Oberle absolvierte zunächst eine Ausbildung als Kirchenmaler, Restaurator und Vergolder. 1942 begann er ein Kunststudium bei Professor Luis Gruber. Dieses musste er jedoch abbrechen, da er zur Luftwaffe eingezogen wurde. Im Krieg schwer verletzt, konnte er aufgrund des Verlustes eines Auges nach 1945 nicht mehr als Kirchenrestaurator weiterarbeiten.
Er begann Porträts und Stadtlandschaften zu malen und hatte erste Erfolge als Wandmaler und Ausstellungsgestalter. Zahlreiche Einzel- und Kollektivausstellungen folgen in den nächsten Jahren ebenso wie diverse Preise und Auszeichnungen (u.a. Seerosenpreis der Stadt München, Leonhard-Mahlein-Medaille der IG Medien).

Ernst Oberle war Gründungsmitglied im „Schutzverband Bildender Künstler“, ab 1973 dessen Vorsitzender und Mitglied im Zentralvorstand der Gewerkschaft Kunst. 1989 unterzeichnete er für den „Schutzverband“ die Beitrittserklärung zur neuen IG Medien. Während er die Betrittsverhandlungen führte, wurde sein kubistisches Fresko auf der Außenfassade des Münchner DGB-Hauses teilweise zerstört und der Rest unter dem „Eberleinschen Kirchendachl“ des Ludwig Koch-Saals versteckt. Es wurde damit zum KryptoKunstwerk.

 

Guido Zingerl, Aus dem Zyklos "Die sieben Todsünden" Todsünde Nr. 4 (2007)



Guido Zingerl (*1933)
Zyklus: „Die sieben Todsünden“ (2007)
 
Der in Fürstenfeldbruck lebende bayerische Künstler Guido Zingerl arbeitet (nach einem Maschinenbaustudium an der TU München) seit 1960 als freischaffender Maler, Zeichner und Karikaturist. Zingerl malt hin­reißend schöne Landschaften und entlarvt mit Feder, Pinsel und Farbe die wirtschaftlichen und politischen Strippenzieher von gestern und heute.
 
2008/09 hatte Guido Zingerl in der städtischen Galerie „Leerer Beutel“ in Regensburg seine große Lebenswerks-Ausstellung „Regensburger Welttheater“. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen erhielt Zingerl 1999 auch den seit 1962 von der Landeshauptstadt München vergebenen Seerosenpreis.

Mit dem im Haus B, 6. Stock des Gewerkschaftshauses hängenden Zyklus „Die Sieben Todsünden“, setzte Zingerl die Auseinandersetzung mit fundamentalen Fragen der Ethik in die bildende Kunst um. In den sieben tiefgründigen Blättern schuf Zingerl neue Sinnbilder für die Abgründe der menschlichen Seele, Allegorien für die neuen sieben Todsünden, mit denen der Mensch seine Mitmenschen, sich selbst und letztlich die Welt zerstört.

 

Skulptur von Fritz Koelle im Garten des Gewerkschaftshauses



Fritz Koelle (1895-1953): „Hockender Bergmann“
(1929, Bronze)
 
Der in Augsburg geborene Künstler erlernte nach einer Spenglerlehre den Goldschmiedeberuf. Ab 1916 unter­nahm er erste Bildhauerarbeiten. Von 1917 bis 1923 studierte er an der Kunstakademie in München. Im Anschluss daran wendete sich Koelle zunehmend Themen aus der Arbeitswelt zu und fand mit seinen großen Ar­beiterplastiken viel Anerkennung. 1929 schlug ihn der berühmte Maler Max Liebermann für eine Professur in Berlin vor.
 
Auch in Bayern wurde ihm eine Professur in Aussicht gestellt. All dies wurde jedoch durch die Machtübernahme der Nazis zerschlagen. Koelles Arbeiterdarstellung „Blockwalzer“ am Melusinenplatz in München wurde 1933 als „abschreckendes Beispiel bolschewistischer Kunstauffassung“ demontiert und der Künstler 1934 mit KZ-Haft bedroht. Koelle konnte zwar während der NS-Zeit ausstellen und erhielt auch Auftragsarbeiten, sein Atelier wurde aber regelmäßig von der Geheimen Staatspolizei kontrolliert. Zu Koelles bedeutendsten Werken nach der Befreiung vom Faschismus gehört die 1947 entstandene Figur „KZ-Häftling“ am Krematorium in der Gedenkstätte Dachau.
 
Vom „hockenden Bergmann“, gibt es verschiedene Varianten – unter anderem jene von 1929, die vor dem Betriebsrestaurants Salettl im Garten des DGB- Hauses steht.Diese Plastik wurde von den Gewerkschaften für den Lichthof des alten Gewerkschaftshauses bestellt. Die Skulptur ist heute die einzig bekannte Stück, das an das alte Gewerkschaftshaus erinnert.  

 

Steinrelief von Karl Röhrig
im Hof vor Haus B


Karl Röhrig, (1886-1972): „Arbeit der Hand“
(Steinrelief, 1957/1958) im Hof vor Haus B
 
Das Werk entstand als Teil einer Auftragsarbeit für das neue Gewerkschaftshaus in München. Lange hing es dort im Foyer neben seinem Pendant, dem gleich großen Relief „Arbeit des Geistes“. Eigentlich waren die beiden Tafeln dazu gedacht, gemeinsam und einander ergänzend betrachtet zu werden.
 
Der Künstler stellte im zweiten Relief den Weg von harter körperlicher Tätigkeit hin zu neuen Technologien dar, versinnbildlicht durch die Silhouette einer „Fabrik der Zukunft“ und die ins Bild eingearbeitete Einstein’sche Energieformel E=mc2. Karl Röhrig, geboren im thüringischen Eisleben, studierte vor und nach dem Ersten Weltkrieg in München an der Kunstakademie und arbeitete nach 1926 als freier Künstler.
 
In seinen bildnerischen und bildhauerischen Werken engagierte er sich zunehmend für die Arbeiterbewegung und gegen den heraufziehenden Faschismus.
 
Nach 1933 musste er sich wegen Arbeitsverbots und weiterer Bedrohungen durch die NS-Machthaber mit kunstgewerblichen Tätigkeiten durchschlagen. Auch nach 1945 hatte er es als realistischer Künstler schwer – die Reliefs für das DGB-Haus gehörten zu seinen wenigen größeren Auftragsarbeiten.

 

Das Heinzinger-Gemälde am Ende des langen Flures zwischen Haus A und Haus B



Albert Heinzinger (1911-1992): „Voran auf neuen Gleisen“
 
Der in Kempten/Allgäu geborene Heinziger absolvierte zunächst eine Lehre als Chemiegraph, an die ein Studium der Grafik bei Prof. Herterich in München anschloss.
 
Vor der NS-Machtübernahme 1933 engagierte sich Heinzinger in der Gewerkschaftsjugend und der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) und beteiligte sich danach an Widerstandsaktionen. Von 1938 bis 1941 inhaftierten ihn die Nazis in zunächst in einem Zuchthaus und dann im KZ Papenburger Moor. Seine Zulassung zur Kunstakademie wurde wegen „Wehrunwürdigkeit“ abgelehnt. 1946/47 nahm er ein Studium bei Prof. Schinnerer an der Münchner Akademie auf.

Heinziger war Gründungsmitglied des Schutzverbandes Bildender Künstler in München und einer seiner profiliertesten Vertreter. Als langjähriger Vorsitzender und Motor des Schutzverbandes wirkte er für die Rechte und den sozialen Schutz der Bildenden Künstler und deren Organisation innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Das Bild  „Voran auf neuen Gleisen“ kennen alle, die vom Haupteingang des Hauses (A) zu den Häusern B und C gehen. Gemeinsam wird an einem Aufbruch in eine neue bessere Zeit gearbeitet.

 

2007:
Graffitikunst an der Tiefgarage



Gewerkschaftsjugend organisiert eine Kunstaktion Münchner Graffitikünstler
 
Die Mauer zum Nachbargrundstück neben der Auffahrt zum Parkplatz und auf die Fassade der Tiefgarage wurde nach Zustimmung aller Mieter an einem Wochenende besprüht.
 
Die Graffitikunst wurde im Rahmen des Neubaus entfernt und übertüncht.

Bronzefigur im Jugendgarten



Die Bronzefigur im Jugendgarten


Die Bronzefigur ist das letzte Kunstwerk im Münchner DGB Haus, bei dem noch nicht festgestellt werden konnte, wer es geschaffen hat und wann es gegossen wurde.
 
Wer zur Bronzeskulptur Hinweise liefern kann, melde sich bitte bei Sepp Rauch (Mailadresse siehe Kontakt / Mail).
 

Ein Foto dieser Gedenktafel hängt im Ludwig-Koch-Saal des Münchner Gewerkschaftshauses







































Diesen Farbton hatte die Bronzeplatte im ersten Münchner Gewerkschaftshaus





Kurt Eisner-Gedenkplatte

Die Mieterversammlung des Gewerkschaftshauses hat beschlossen, im Saal des DGB Hauses eine Fotografie der von den Nazis im alten Münchner Gewerkschaftshaus zerstörte Kurt-Eisner-Gedenkplatte mit kurzem Begleittext im Ludwig-Koch- Saal zu hängen.

Ein Schwarz-Weiß-Foto dieser Bronze-Eisner-Gedenkplatte hing bis in die 90er Jahre hinein im Sitzungsraum 289 des DGB Hauses München und war dann verschwunden. Anlässlich der Kunstausstellung im November 2014 wurde sowohl das Foto der Gedenkplatte wie das der feierlichen Enthüllung im alten Gewerkschaftshaus in einem Archiv gesucht/gefunden. Bei der Bearbeitung des Fotos wurde das Zeichen des Künstlers entdeckt, der sie entworfen hat.


Während der Produktion der nebenstehenden Darstellung für den großen Saal hat sich der Sohn des Medailleurs Karl Roth gemeldet und einige Dokumente  zur Geschichte dieser Bronze-Gedenkplatte übermittelt. Sie sieht in Stichworten folgendermaßen aus:

Bronzetafel und deren Anbringung wegen der veränderten politischen Situation "einschlafen" ließ, suchten Unterleitner, Fechenbach (Vorgängerorganisation ver.di) und Heide (Vorgängerorganisation IGM) eine Alternativlösung.
Das Ergebnis: Die Münchner Gewerkschaften wollten das gezeigten Bronzerelief nach Entwurf des Medailleurs Karl Roth, aber mit verändertem Text in ihr Haus holen. Kollegen des Metallarbeiterverbands halfen beim Guss.

Nach dem von Karl Roth gestalteten Modell wurde die Tafel in Vorbereitung des Gusses vom Kunstgipsformator Hans Zöller in der Briennerstraße eine Gips-Negativ- und ein Positivmodel erstellt (Kosten 170 Mark - Rechnung liegt in Kopie vor).

Der Bronzeguss erfolgte in der Kunstgießerei J.Mayr und M.Oberndorfer am Gollierplatz 8. Die Rechnung in Höhe von 4544 Mark ging an den Deutschen Metallarbeiterverband München. Der Vorsitzende des Metallarbeiterverband Verwaltung München Heide beauftragte den Guss handschriftlich (Schreiben liegt als Kopie vor).
 
Am 21. Februar wurde Kurt Eisner auf dem Weg zum Landtag vom rechtsradikalen Adeligen Anton Graf von Arco auf Valley in der heutigen Kardinal-Faulhaber-Straße durch zwei Kopfschüsse von hinten ermordet.
Der Ministerrat des Kabinetts Hoffmann hat am 29. März 1919 auf Vortrag des Staatsministers Hans Unterleitner 3.600 Mark für die Anbringung einer künstlerisch ausgeführten Gedenktafel am Ministerium des Äußeren beschlossen. Die Tafel sollte an der Stelle angebracht werden, an der der Ministerpräsident und Außenminister Eisner ermordet wurde. Der junge Künstler und Medailleur Karl Roth wurde mit der Ausführung beauftragt. Nachdem der bayerische Ministerrat  den Guss der

Das Relief wurde am 22.2.1920 in der Tonhalle (Türkenstraße) öffentlich vorgestellt. Schiefer, Eisners Tochter, Unterleitner, Keil, Heide u.a. enthüllen sie am 7.11.1920 im Hof des alten Gewerkschaftshauses in der Pestalozzistraße (Bild rechts). Sie wurde 1933 von den Nazis zerstört.
Nachdem aus dem Nachlass Roth eine Postkarte des gegossenen Reliefs vorliegt, kennen wir die exakte Gussfarbe.

oben: alle Bilder: Werner Bachmaier und Sepp Rauch

Texte: Ernst Antoni und Sepp Rauch

Die laufenden Ausstellungen des ver.di Kulturforums Bayern sind im 4. und 5. Stock (Haus B) des Münchner DGB Hauses zu sehen.

Wann?
Montag bis Freitag
von 7:30 bis 21 Uhr.


Samstag i.d.R.
von 10:00 Uhr bis 14:00 Uhr.

An Sonn- und Feiertagen nicht!

Wer samstags sicher gehen will, ob das DGB Haus geöffnet ist, ruft bitte 089/535617 an.
Die Sammlung Sisyphos des ver.di Kulturforums Bayern wird alle 18-14 Monate in den Räumen des Kulturforums gezeigt.

Eine kleine Auswahl von Exponaten der Sammlung (die sogenannte kleine collection popolo) hängt ständig im 6. Stock des Hauses B
und
sie erfreut Besucher der ver.di Sitzungsräume und der Büros der Mitglieder der Landesbezirksleitung.